0'11 Eine barocke Perle mitten im Grünen, ein traumhaftes Anwesen mit fast 1000jähriger Geschichte, Schloss Dyck in Jüchen ist eine der vielen herausragenden kulturgeschichtlichen Sehenswürdigkeiten im Rhein-Kreis Neuss. So wie sich hier auf kleinem Raum Kultur und Natur, historisches Erbe und zeitgemäße Nutzung verknüpfen, so steht der gesamte Kreis am linken Rheinufer für ein ausgewogenes und erfolgreiches Verhältnis von Traditionsbewusstsein und Fortschrittsgeist. 0’40 Das Gebiet, das sich zwischen den Großstädten Köln, Düsseldorf und Mönchengladbach erstreckt, ist eine der dynamischsten Wachstumsregionen in Nordrhein-Westfalen: Standort vieler international tätiger Unternehmen, aber auch eine reiche Kulturlandschaft. Schloss Dyck in der Gemeinde Jüchen ist ein gutes Beispiel dafür. 0’58 Der Besucher findet hier eine der wenigen Schlossanlagen im Rheinland die mit fast allen dazugehörigen Vorburgen, Wirtschaftsgebäuden und Außenanlagen komplett erhalten ist. Heute ist das Schlossgelände ein lebendiger Treffpunkt für Besucher aller Art: für Geschichtsinteressierte und Naturfreunde, für Kulturtouristen und Tagungsgäste von weither genauso wie für Familien und Spaziergänger aus der näheren Umgebung. 1’23 Für viele Menschen ist Dyck mit seinen vielen unterschiedlichen Gartenanlagen und dem historischen Park nicht nur irgendein Ausflugsziel, das gelegentlich besucht wird. Es ist Teil ihres alltäglichen Umfeldes, Ersatz für den eigenen Garten, vertrautes Gelände mit vielen Plätzen, an die sich private Erinnerungen an frühere Besuche knüpfen. 1’43 Zum Schlossgelände gehört auch das so genannte "Dycker Feld". Hier wurden Skulpturen bedeutender Künstler in einem Wald aus Chinaschilf aufgestellt und namhafte Gestalter schufen Gärten unterschiedlichster Art. 2’00 Mit seinem vielseitigen Veranstaltungsprogramm ist Schloss Dyck heute eine der ersten Adressen im an Schlössern und Gartenanlagen nicht armen Rheinland und zwar das ganze Jahr über. 2’18 Musik offen 2’38 Die Laubbäume sind noch kahl, die Gänse am Schlossteich beginnen mit dem Brutgeschäft; wenn die Natur erwacht, ist es Zeit für einen ersten Spaziergang durch den Dycker Park. Blüht schon was unter den Bäumen oder in den Blumenbeeten? Wo zeigt sich der Frühling zuerst? 3’08 Mittags füllt sich der sonst noch weitgehend menschenleere Park; auf der Terrasse vor der Orangerie kann man es in der Märzsonne schon gut aushalten. 3’21 Etwas später, im Mai, wird es farbig im Schlosspark. Die Rhododendron-Blüte ist eine der Hauptattraktionen in der ersten Jahreshälfte. 3’36 Jetzt kommen Besucher auch von weither, um dieses Farbenspiel zu bewundern. 4’10 Und noch eine andere Pflanze beginnt jetzt in Massen zu blühen: Der Bärlauch, der in den letzten Jahren auch als Küchenkraut wieder sehr beliebt ist, bedeckt mit seinen zarten weißen Blüten stellenweise wie ein Teppich den Waldboden. 4’33 Die Dycker Gärten genossen schon vor knapp 200 Jahren einen Ruf über Deutschlands Grenzen hinaus, waren sie doch,ganz in Stil des frühen 19. Jahrhunderts, als eine Art Ideal-Landschaft angelegt. Zwar hatte es auch vorher einen Schlossgarten gegeben, der aus der Zeit stammte, als auf den Trümmern einer Burg das Barockschloss errichtet wurde, das bis heute steht. Doch es bedurfte eines ambitionierten Gartenfreundes und Botanikers, um das Gartenkunstwerk zu schaffen, das wir bis heute bewundern. 5’07 Fürst Joseph von Salm-Reifferscheidt-Dyck war ein gebildeter, weltläufiger Mann und ein hoch angesehener Pflanzenforscher. In zweiter Ehe mit einer französischen Schriftstellerin verheiratet, unterhielt er einen Zweitwohnsitz in Paris und stand in Kontakt mit vielen Künstlern und Wissenschaftlern seiner Epoche. Eine kleine Ausstellung in der Vorburg erinnert heute an den klugen Schlossherrn, der den damals weltberühmten schottischen Gartenarchitekten Thomas Blaikie damit beauftragte, rund um das Schloss Dyck einen Park im Stil der Zeit, also im Stil eines englischen Landschaftsgartens anzulegen. Fürst Joseph ließ auch viele seltene Gehölze pflanzen, die Entdecker aus anderen Erdteilen nach Europa gebracht hatten. Weil das Schloss sehr vorsichtig saniert wurde, ist vieles von der Atmosphäre der damaligen Zeit erhalten geblieben. 6’06 Schloss Dyck war bis 1991 ständig bewohnt. Zuletzt lebte hier bis zu ihrem Tod Fürstin Cäcilie zu Salm-Reifferscheidt-Dyck, die Witwe des letzten männlichen Sprosses der Adelsfamilie, die fast 1000 Jahre dieses Anwesen besaß. 6’47 Heute erkunden Familien den ehemaligen fürstlichen Privatgarten, überall laden Wiesen zum Rasten und Ausruhen ein und es gibt Gelegenheit für nicht alltägliche Begegnungen. Kinder zieht es auf die Spielplätze, wo sie nach Herzenslust herumklettern können. 7’11 Und im Sommer wird den Kleinen sogar ein Programm geboten: alle sind mit Feuer und Flamme dabei, wenn auf dem Rasen Spiele veranstaltet werden. 7’21 "Okay, wer von euch ist maximal 5 Jahre alt?" "Wer ist 3, 4 und 5 Jahre alt?" "Tobias … Lisa." "Ja, und jetzt …" "Und hier weiter" "Und weiter" "Bleib da, bleib … hey" "Nimm’ den Apfel mit" "Hopp und weiter" "Jetzt … Jawohl" "Und beide Bäume umfahren" "Und beide Bäume" 7’53 Die Kinder sind beschäftigt, die Eltern können mal ganz in Ruhe durch die Gärten schlendern und Wetter und Atmosphäre genießen. 8’20 Besonders beliebt bei auswärtigen Besuchern sind die Mustergärten am Eingang des Schlossparks. Hier holen sich Hobbygärtner Anregungen für ihre eigenen Grundstücke, sehen unterschiedlichste Varianten der Bepflanzung und Gestaltung von Gärten. 8’35 Im Frühsommer stehen hier viele Beete in voller Blüte, vor allem die unterschiedlichen Rosensorten sind eine Augenweide. 8’55 Wenn es im Sommer überall rund um das Schloss grünt und blüht und der Park sich von seiner besten Seite zeigt, wird deutlich: Das rund 70 Hektar große Anwesen hat durch die dezentrale Landesgartenschau "Euroga 2002 plus" erheblich an Attraktivität gewonnen. 9’15 Jetzt ist die richtige Jahreszeit, um das zu diesem Anlass angelegte Dycker Feld zu erkunden: wer alle dort verborgenen Themengärten anschauen will, hat eine ordentliche Wanderung vor sich. Überall im Schilf kann man die quadratischen Parzellen entdecken: man findet mediterrane Gärten, Rosengärten, Gärten mit besonderen Gehölzen, Gärten, die eher wild oder, wie hier, sehr streng gestaltet sind. 9’45 Und ähnlich wie im alten Schlosspark gibt es auch hier Sichtachsen, die weite Blicke ermöglichen. An den meisten Tagen hört man hier bloß das Schilf rauschen. 10’02 Doch auch für all diejenigen, die es gern belebter mögen, gibt es zahlreiche Gelegenheiten, Schloss Dyck zu besuchen. 10’13 Märkte zum Beispiel locken Publikum von weither an. Ob der Weihnachtsmarkt im Advent oder die Gartenmärkte im Sommer: es gibt an den Ständen vieles zu bestaunen und gern nutzen die Besucher die Möglichkeit, sich hier mit Garten-Assecoirs, mit Gartenstauden oder sogar mit botanischen Raritäten einzudecken. 10’40 Von den Schönheiten der Umgebung inspiriert, trägt mancher Blumen gleich palettenweise nach Hause. 10’51 Andere sehen bloß um und lassen den schönen Sommertag gesellig ausklingen, indem sie zum Beispiel im Cafe-Bistro "Botanica" einkehren und das rege Treiben auf dem Gelände aus der Entfernung beobachten. 11’27 Mehrmals im Jahr wird der Schlosshof zum Konzertsaal, Dyck zum Treffpunkt für die Kulturfreunde. Die Musikveranstaltungen und Festivals hier haben inzwischen einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Region. 12’16 Und auch die Freunde historischer Automobile zieht es einmal in Jahr auf das Schlossgelände: die Classic Days, ein im In- und Ausland bekanntes Oldtimertreffen, sind ein Muss für jeden Auto-Nostalgiker. 12’36 Kostbare Schätzchen und edle Karossen werden bestaunt, für die Besitzer der Veteranen ist die dreitägige Veranstaltung ein großes Familientreffen: Hunderte von Autos reihen sich auf den Wiesen um das Schloss aneinander. Höhepunkt der Veranstaltung für Teilnehmer und Zuschauer sind die Rundfahrten durchs Dycker Ländchen, wie die Umgebung des Schlosses bei Jüchen seit langem genannt wird. 14’00 Aber auch Spätsommer und Herbst haben hier ihre ganz besonderen Reize. Ob beim stillen Spaziergang durch den Park oder beim Picknick am Schlossteich, das man hier sogar buchen kann. 14’23 An den Wochenenden wird in der warmen Jahreszeit in und rund um das Schloss oft gefeiert: Hochzeiten zum Beispiel, dafür ist dieser Ort wie geschaffen. 14’49 Immer mehr Brautpaare nutzen die Räume im Schloss, um hier den Bund fürs Leben zu schließen. Ambiente und Atmosphäre von Schloss Dyck bieten den geeigneten Rahmen für den vielleicht wichtigsten Tag im Leben. 15’43 Musik und Farbenspiel im Dunkeln. Einmal im Jahr kann man den Schlosspark auf eine ganz ungewöhnliche Weise erleben. Dann taucht die "Illumina", eine künstlerische Licht- und Klanginstallation, das ganze Gelände nachts in ein Meer von Lichteffekten und Tönen. Man hört geheimnisvolle Geräusche und Bäume beginnen zu sprechen: 16’10 "Ich will mich ja nicht aufdrängen, aber ich könnte euch Geschichten erzählen …" "Ich will ja auch nicht angeben, aber ich bin der älteste Baum hier im Park." "Und was ich schon alles erlebt habe, ha!" 16’25 So erfährt man bei einer nächtlichen Tour über das Dycker Gelände beiläufig noch manches über die Vergangenheit von Schloss und Park. Und über die Geschichte der Gartenkunst in dieser Region. 16’38 "Um noch einige Exoten zu erwähnen gibt es hier noch einen Schnurbaum und einen Geweihbaum, mit dem klangvollen lateinischen Namen ‚Gymnocladus dioicus’. Den hat mir der schottische Landschaftsarchitekt Thomas Blaikie höchstpersönlich verraten, der die Grundlagen für den Park im englischen Stil in enger Zusammenarbeit mit Fürst Joseph entwarf." 17’01 Die Illumina und alle anderen Veranstaltungen hier werden von der Stiftung organisiert, die seit 1999 Schloss, Park und Gärten verwaltet. Diese Stiftung wurde von den Vorbesitzern des Anwesens, der Familie Wolff-Metternich, dem Rhein-Kreis Neuss, der Gemeinde Jüchen, dem Landschaftsverband Rheinland und dem Land Nordrhein-Westfalen mit dem Zweck gegründet, Schloss Dyck als bedeutendes kulturgeschichtliches Denkmal zu erhalten. Heute ist Dyck einer der Höhepunkte an der ebenfalls neu gegründeten "Rheinischen Straße der Gartenkunst", die hier mit faszinierenden nächtlichen Bildern ungewöhnlich in Szene gesetzt wird. 17’50 Aber auch tagsüber lohnt ein Besuch im herbstlichen Schlosspark. Der "Indian Summer", das Schauspiel der Laubfärbung ist nirgendwo anders in der Umgebung so prächtig wie in diesem Landschaftspark. 18’38 Auch in der kalten Jahreszeit reißt die Kette der Events im und rund um das Schloss nicht ab. Konzerte im historischen Festsaal und Theatervorstellungen stehen regelmäßig auf dem Programm, auch der Rhein-Kreis Neuss nutzt die Räume hier für Veranstaltungen von überregionaler Bedeutung. 19’02 Das leibliche Wohl kommt natürlich nicht zu kurz: das Spitzenrestaurant "Blaikie" im Hauptschloss sorgt für die passenden Tafelfreuden. Hier wird auf höchstem Niveau gekocht und in stilvollem Rahmen serviert. 20’10 Dyck im Dezember. So, im weißen Winterkleid, kann man Schloss und Park nur selten erleben. In der Weihnachtszeit ist alles von einer geradezu märchenhaften Atmosphäre umgeben: ein Juwel liegt im Winterschlaf. 20’52 Nur wenige Monate noch, dann werden Park und Gärten wieder erwachen. Und dann lockt erneut der Frühling mit seinen Reizen.